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Ein Gespräch mit Roberto H

Ein Gespräch mit Roberto H

Roberto H begegnet der Welt aus ungewohnter Perspektive. Die Motive seiner Fotografien, die mithilfe einer Drohne aufgenommen werden, sind dabei so spannend wie vielseitig und wecken zahlreiche Emotionen bei ihren Betrachtern. Architektonische Symmetrie trifft hier auf chaotische Menschenmassen oder wilde Natur und versetzt uns mal in Erstaunen, mal in Ehrfurcht.

Erfahre mehr über das kreative Schaffen des talentierten, mexikanischen Künstlers und lass dich von seiner außergewöhnlichen Sicht auf die Dinge in den Bann ziehen.

Eine Leidenschaft, die Struktur in den Tag bringt

Hauptberuflich betreut Art Director Roberto H Projekte von Firmengiganten wie Tesla, Audi und dem Mexico City Flughafen. In seiner Freizeit widmet er sich jedoch seiner großen Leidenschaft: Mit einer Drohne lichtet er verschiedenste Szenerien ab, die er dann auf seinem Instagram-Account @dronerobert mit seiner internationalen Fangemeinde teilt.

Seine Tage sind dabei oft ähnlich aufgebaut. Er steht gerne früh auf, um die Morgenstunden in Mexico City zu verbringen und nach neuen Motiven für seine Bilder zu suchen. Danach beginnt er seine tägliche Arbeit in seinem Studio, wo er die visuellen Inhalte und Layouts von Büchern und Zeitschriften gestaltet. Wenn es sich anbietet, verlässt der passionierte Fotograf sein Studio frühzeitig, um auch die letzten Stunden Tageslicht für seine Bildwelten zu nutzen.

Abenteuer auf der Suche nach faszinierenden Details

Doch wie gelingt es Roberto H, so außergewöhnliche Motive einzufangen? “Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Formen. Sei es bei meinen täglichen Fahrradtouren durch die Stadt oder mithilfe von Google Maps”, offenbart der Fotoliebhaber in unserem Interview. Sobald er dann einen fesselnden Ort entdeckt, muss er ihn festhalten.

Die Erde von oben zu fotografieren, gestaltet sich manchmal jedoch nicht als gerade einfach. Oft bedarf es vieler Stunden Vorbereitung oder der Hilfe von Freunden und Familienmitgliedern. Roberto Hs Freundin Maria Anton war so maßgeblich an vielen seiner wichtigsten Aufnahmen beteiligt. Während der Fahrt behielt sie Google Maps immer fest im Auge und ließ ihn sofort wissen, wenn sie eine spannende Stelle erreichten.

Unser Auto drohte zu kollabieren und es wurde immer dunkler, aber wir schafften es schlussendlich, an einem der gefährlichsten Orte Mexikos ganz wundervolle Fotos zu machen: Guerrero.

In diesen besonderen Momenten der Komplizenschaft mit seiner besseren Hälfte, machte Roberto H seine besten fotografischen Erfahrungen. Denn auch wenn seine Projekte als Art Director äußerst spannend sind, erinnert sich der Künstler vor allem an eine seiner privaten Arbeiten zum Thema Palmen: “Wir fuhren mit einem VW Polo auf einer kleinen schlammigen Straße. In der Hoffnung, vor Einbruch der Dunkelheit unser Ziel zu erreichen. Unser Auto drohte zu kollabieren und es wurde immer dunkler, aber wir schafften es schlussendlich, an einem der gefährlichsten Orte Mexikos ganz wundervolle Fotos zu machen: Guerrero.” Heute muss er jedes Mal lächeln, wenn er sich an diese aufregenden Stunden erinnert.

Chaos, die Essenz seiner Arbeit

Neben unberührten Landschaften fühlt sich Roberto H vor allem von dem quirligen, mexikanischen Leben inspiriert – eine magische Dynamik, die seine Fotos so besonders macht. Er liebt es, Mensch und Natur als gegensätzliche Pole zu inszenieren und auch sein größter Traum zeugt von diesem Gegensatz: “Maria und ich arbeiten an einer Nacktfoto-Reihe an abgelegenen und wilden Orten und ich würde sie gerne nackt auf einem Vulkan verewigen.”

Doch nicht nur Aktfotos sind Teil seiner künstlerischen Herangehensweise an Natur und Zivilisation. Auch ein Autofriedhof am Waldrand, eine akkurat gepflanzte Palmenplantage oder Salzwiesen in hypnotisierenden Farben machen auf den Einfluss aufmerksam, den der Mensch auf seine Umwelt ausübt. Fotografien, die uns nicht nur zum Träumen, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Maria und ich arbeiten an einer Nacktfoto-Reihe an abgelegenen und wilden Orten und ich würde sie gerne nackt auf einem Vulkan verewigen.

Fragt man Roberto H nach dem roten Faden in seinen Arbeiten, antwortet er spontan: “Chaos, Symmetrie und greifbare Spannung”. Das sieht man auch seiner Aufnahme von mehr als 45.000 Menschen während eines Stierkampfes auf der Plaza de Toros in Mexiko an. Er begegnet dem sensiblen Thema rund um die umstrittene Tradition auf äußerst subtile Weise und erweckt beim Betrachter damit starke Emotionen.

“Maristas”, sein Lieblingsbild

Am Ende unseres Interviews präsentiert uns Roberto H das Bild, auf das er besonders stolz ist: "Maristas", 2016 in Barcelona fotografiert – trotz des Drohnenflugverbots in Spanien. “Dieses Bild ist die erste Drohnenaufnahme, die ich je verkauft habe. Ein Engländer kaufte sie vor ein paar Jahren für 400 Pfund.” Es ist das perfekte Bild, um kleinen Innenräume Charakter zu verleihen. Seine ockerroten Farben und markanten Linien verleihen jedem Zimmer Tiefe.

Vielen Dank, Roberto H!

Text: Caroline Lacaille

Übersetzung: Ina Schulze

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