Aus Liebe zur Musik, zur Fotografie und zum bewegten Bild haben sich Fabi Rettenbacher und Phil Rirsch 2014 zu dem Gemeinschaftsprojekt Picture On The Fridge zusammengetan. Mit der Kamera fangen die Österreicher die leisen, surrealen und magischen Zwischentöne ein, die in ganz alltäglichen Situationen mitschwingen. In ihrem frisch eröffneten Studio P.O.T.F. in Wien ist seit dem 3. März eine Retrospektive ihrer Fotografien zu sehen.

Wir haben Fabi und Phil am Wochenende in ihrem neuen Studio besucht und uns über das Wiener Stadtleben, den Surrealismus des Alltäglichen und die Geschichten unterhalten, die ein Foto transportiert.

Hinter eurem Namen steckt sicher noch mehr als gekühlte Milch und Marmelade. Warum “Picture on the Fridge”?

Der Name selbst ist ziemlich spontan entstanden. Uns haben schon immer Bilder interessiert, die Leute daheim aufhängen und welche Geschichte sie erzählen. Da geht es uns oft mehr um das Gefühl, das mit einem Foto verbunden wird, als um das Motiv oder das Bild selbst.


Euer neues Studio hat gerade seine Türen am Wiener Naschmarkt eröffnet. Welche Rolle spielt die Stadt für eure Inspiration?

Wien ist mittlerweile unsere Heimat geworden. Wir sind in Salzburg aufgewachsen und wollten zum Studieren in eine größere Stadt ziehen. Was Wien für uns so interessant macht ist, dass es einfach ein bisschen zu groß für Österreich ist, dabei aber überschaubar bleibt. Es ist die Stadt selbst, die Mentalität, das Gemütliche, das manchmal “bisl Schleißige”, aber auch das Schöne, das uns inspiriert.

Wir versuchen, Realität und Utopie miteinander in Einklang zu bringen. Einen Moment zwar zu rahmen, ihn aber nicht ganz zu Ende zu denken.
Picture On The Fridge

Eure Ausstellung umfasst auch eine Kollektion von JUNIQE Designs. Wie kam diese Auswahl zustande?

Die Auswahl ist eine Mischung aus Alt und Neu und soll eine Retrospektive unserer bisherigen Zusammenarbeit mit JUNIQE sein. Wir wollten für sich selbst stehende Motive finden, die alle einer gewissen Ästhetik folgen und durch Gemeinsamkeiten in Kontakt treten.


Eure Fotografien reichen von heißen Sommertagen am Pool über verschneite Berggipfel bis hin zu charakterstarken Porträts. Was ist der rote Faden hinter euren Motiven?

Unsere Herangehensweise ist bei jedem Bild eine andere. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, dem Alltäglichen einen Tick Surrealismus zu entlocken. Dabei versuchen wir, Realität und Utopie miteinander in Einklang zu bringen. Einen Moment zwar zu rahmen, ihn aber nicht ganz zu Ende zu denken, dem Raum keinen finalen Abschluss zu geben.

Fotografie, Video, Musik – Euer Portfolio ist sehr vielseitig. Für welchen Bereich schlägt euer Herz am höchsten?

Wir denken, es ist die Summe aus dem Ganzen. Für jede Ausdrucksform gibt es eine passende Zeit, manchmal überschneiden sich diese Zeiten und es entstehen zusammenhängende Projekte. Irgendwie ist uns eine Ausdrucksform alleine nicht genug. Wir müssen uns da Gott sei Dank selten zwischen dem Einen oder Anderen entscheiden.

Bei der Videoproduktion ist Teamwork gefragt. Wie kann man sich eure Zusammenarbeit beim Fotografieren vorstellen?

Wir unternehmen viel gemeinsam. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Blickweisen zu gemeinsamen Eindrücken. Die Fotos, die daraus entstehen, drucken wir im Kleinformat aus und sortieren sie grob. Wir verschaffen uns dadurch einen Überblick und versuchen Gemeinsamkeiten, Gegensätze oder auch Emotionen zu finden, die im Optimalfall zu einer fertigen Serie werden.

 

In eurem Portfolio ist sowohl die digitale als auch die analoge Fotografie vertreten. Wovon hängt die Wahl eurer Technik ab?

Um ehrlich zu sein, wie die Stimmung passt. Gerade wenn wir vorhaben, eine Menge an Bildern zu machen, bietet sich natürlich digital mehr an. Wir haben beide analog Fotografieren gelernt und der gesamte Prozess begleitet uns bis heute noch. Das ist schwer zu beschreiben, manchmal hat man einfach mehr Lust auf das Eine, manchmal auf das Andere.

Welches Foto hängt an eurem Kühlschrank?

Um ehrlich zu sein keines. Wir können kein Foto einem so großen Druck aussetzen. Ganz leer wäre aber auch fad. Im Studio kleben deshalb ein paar Sticker und ein DPD-Zustellzettel, adressiert an “Fridger”.

Danke, Jungs!

Text: Valeria Sambale

 
 
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