Der Fotograf Michael Belhadi wurde 1963 in Oran in Algerien geboren und wuchs in Paderborn auf. Er arbeitete jahrelang im bayrischen Regensburg als Gastronom, bevor er 2007 nach Berlin zog, um sich ganz der Kamera zu widmen. Wir haben uns mit ihm über Fotos aus dem OP, über die Arbeit als Freelancer und seine Lieblingsorte in Berlin unterhalten.

Wie wichtig ist Berlin für deine Arbeit? War die Stadt die Initialzündung dafür, dich rein der Fotografie zu widmen?

Absolut. In Berlin hat alles angefangen. Als ich hierher zog, war das Fotografieren meine Art, die Stadt kennenzulernen. Ich habe mich aufs Fahrrad gesetzt und die Stadt mit Stativ und Kamera erkundet. Berlin und besonders der Berliner Osten haben meine Vorliebe für urbane Landschaften und Räume entscheidend geprägt.

Welche Techniken und Medien nutzt du für deine Arbeiten?

Ich arbeite viel mit dem Stativ und immer nur mit vorhandenem Licht. Einen großen Anteil am Endergebnis hat auch meine Bildbearbeitung am Rechner. Meine Kamera ist eine Canon EOS 5D Mark 3.

Gibt es Künstler oder Musiker, die dich beeinflusst haben?

Jede Menge, es würde den Rahmen hier sprengen sie alle aufzuzählen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber Bernd und Hilla Becher und ihre Schüler, die ich sehr verehre. Ich bin auch ein großer Fan von Martin Parr und Steve McCurry.

Wie recherchierst du?

Das kommt immer drauf an. In Berlin begegnen mir meine Motive meist früher oder später. Wenn ich auf Reisen in anderen (Groß-)Städten bin, recherchiere ich vorher im Internet oder frage Freunde die ich dort kenne und die um meine Vorlieben wissen.

Natürlich gibt es auch Motive, die ich in den betreffenden Städten schon immer fotografieren wollte, wie zum Beispiel die Battersea Power Station und die Thames Barrier in London.

 

Welche Art von Arbeit machst du am liebsten?

Ich genieße das große Privileg, als freischaffender Fotokünstler ohne Auftraggeber zu arbeiten, deshalb bereitet mir eigentlich jeder Arbeitsprozess – ob nun hinter der Kamera oder später am Rechner – gleich viel Freude. Abgesehen von einer Ausstellung mit einer gelungenen Vernissage, das ist natürlich dann schon ein Höhepunkt.

Was unternimmst du gerne außer Fotografieren in Berlin? In welcher Gegend bist du am liebsten unterwegs?

Gerne lasse ich mich mit dem Rad durch die Stadt treiben und bin immer wieder überrascht und erfreut, wohin mich der Zufall dann verschlägt. Im Sommer sind es natürlich auch die vielen Seen (zum Beispiel der Müggelsee) und ihre Umgebung, zu denen ich gerne fahre.

Als Fotograf besuche ich natürlich oft die C/O Galerie im Amerika-Haus. Der schönste Biergarten ist der Bierhof Rüdersdorf am Berghain, den kann ich im Sommer nur wärmstens empfehlen. Einen wundervollen und ungewohnten Blick auf ganz Berlin hat man vom Glockenturm am Olympiastadion. Gerne trinke ich zur blauen Stunde einen guten Gin Tonic im 'Lass Uns Freunde Bleiben' in der Choriner Straße.   

Welche Stadt würdest du gerne mal genau so detailliert erforschen und fotografisch festhalten wie Berlin und warum?

Das ist wohl London. Ich habe diese wunderbare Metropole schon oft besucht und habe letztes Jahr mit einer London-Serie angefangen, die ich im August fortsetzen werde. Für mich ist London die aufregendste Stadt Europas und ein Sehnsuchtsort.

Was ist dein Traumprojekt?

Mein Traumprojekt ist ein mehrwöchiger Aufenthalt in Pjöngjang, unmittelbar nach dem Sturz der Kim Diktatur. Ich würde von morgens bis abends nichts anderes machen als diese seltsame, geheimnisvolle Stadt voll mit stalinistischer Monumentalarchitektur fotografieren.

Danke, Michael!

 
 
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