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Marmor und Terrazzo in Geschichte und Design

Marmor und Terrazzo in Geschichte und Design

Natur, Wissenschaft und Mathematik, Kunst und Architektur: Unser tägliches Leben ist geprägt von verschiedenen Mustern, die sich an den ungewöhnlichsten Orten entdecken lassen. Ob in Form von Punkten oder Streifen, Fraktalen oder Spiralen, Wellen oder Dünen, Symmetrie oder Chaos – sie begeistern uns immer wieder durch beeindruckenden Formenreichtum. Das nehmen wir zum Anlass, zwei im Trend liegenden Materialien mal genauer auf den Grund zu gehen: Marmor und Terrazzo.

Marmor: Edel & vielseitig

Von antiken griechischen Steinbrüchen über Michelangelos David bis hin zum Taj Mahal und Obersten Gerichtshof der USA: Seit Jahrhunderten zählt Marmor zu einem der begehrtesten Materialien in Kunst und Architektur. Dabei besticht er vor allem durch Stabilität und außergewöhnliche Schönheit und gilt außerdem als Symbol für Prestige und Wohlstand. In den letzten Jahren rückte Marmor auch im Mode- und Interiorbereich immer mehr in den Fokus und ist mittlerweile fester Bestandteil einschlägiger Geschirr-, Möbel- oder Fashion-Kollektionen. Auch aus unserem Produktportfolio ist das moderne Marmormuster nicht mehr wegzudenken und ziert Bilder, Bettwäsche oder Notizbücher. Grund genug, mal genauer zu durchleuchten, welche Rolle Marmor in der Kunstwelt spielt.

Etymologisch geht das Wort ‘Marmor’ auf das griechische ‘marmaros’ zurück und bedeutet ‘weißer, glänzender Stein’ – das Resultat einer physikalischen Umformung, wenn Kalkstein unter Tage hohen Temperaturen und Drucken ausgesetzt ist. Und ein so weit verbreitetes Phänomen, dass jedes Jahr weltweit Millionen Tonnen des begehrten Natursteins abgebaut werden können.

Die Vielfalt an Marmorarten und -farben lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht hingegen auf unterschiedliche mineralogische Zusammensetzungen und Komponenten wie Quarz und Tonmineralien zurückführen. Der aus Bayern bekannte Wunsiedel Marmor zeichnet sich dabei durch starke Graufärbung aus, während der aus Georgia stammende Etowah Marmor von schwarzen und weißen Streifen durchzogen ist und zwischen pfirsich- und lachsfarbenen Nuancen changiert. Ein weiteres Beispiel ist der Makrana Marmor, der im indischen Rajasthan abgebaut wird und sich durch weiche Ebenholztöne von den anderen Marmormustern abhebt.

Weißer Marmor wird aus Kalkstein gewonnen. Im klassischen Zeitalter wurde er von Bildhauern und Architekten wegen seiner Weichheit und seines nahezu makellosen Glanzes geschätzt. Obwohl weißer Marmor noch immer aktuell ist, entdeckt man in namhaften Interior-Blogs und -Magazinen seit Jahren vermehrt dunkle Marmorarten wie den schwarzen Ashford Marmor aus England oder den irischen Serpentin Marmor, der sich durch seine signifikante Grünfärbung auszeichnet.

Von Türkis bis Mitternachtsblau, von rauchigem Rosé bis Schiefergrau: Klassische und zeitgemäße Künstler zelebrieren die Vielfalt des einzigartigen Natursteins. Eine Herangehensweise ist dabei die Kombination mit modernen geometrischen Formen, wie sie das italienische Label cafelab für seine außergewöhnlichen Notizbücher verwendet.

Früher nur den Wohlhabenden vorbehalten ist Marmor heute für alle zugänglich und erschwinglich – eine wunderbare Tatsache, der wir all die schöne Marmordeko in Restaurants, Hotels und unseren eigenen vier Wänden verdanken.

Terrazzo: Nachhaltig & innovativ

Archäologen und Historiker haben den Ursprung von Terrazzo bis ins Neolithikum und das alte Ägypten zurückdatiert. Die uns bekannte Form des mehr und mehr in den Designfokus rückenden Werkstoffs lässt sich jedoch im venezianischen Bodenbelag des 15. Jahrhunderts verorten. Wie also hat sich ein Material, das wegen seiner Widerstandsfähigkeit für Fußböden verwendet wurde, zu einem unserer beliebtesten Muster auf Acrylglas entwickelt?

Im Italienischen ist ‘Terrazzo’ gleichbedeutend mit ‘Terrasse’ und gilt als erster Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Architektur, da im Rahmen seiner Herstellung auf Abfallprodukte wie ausrangierte Marmorstücke zurückgegriffen wurde. Eine geniale Erfindung, die auf die Frustration italienischer Mosaikarbeiter zurückzuführen ist, die sich Gedanken machten, wie sie weniger des kostbaren Materials verschwenden könnten.

Zunächst wurden Späne und unregelmäßig geformte Marmorstücke in Beton eingefasst, der im weiteren Schritt poliert wurde, um die unzähligen Farbvariationen besser zur Geltung zu bringen. Schon bald stellte sich heraus, dass das Auftragen einer Schicht Ziegenmilch die Marmorteile noch mehr zum Glänzen brachte. Die Popularität von Terrazzo begann zu steigen, als er im 19. und 20. Jahrhundert gemeinsam mit italienischen Einwanderern die USA erreichte. Die qualifizierten italienischen Terrazzo-Handwerker waren in New York City bald so begehrt, dass sie als “Aristokraten des Handwerks” in die Geschichte eingingen.

In den frühen 20er-Jahren machte die Erfindung der mechanischen Schleifmaschine Terrazzo dann auch für Großprojekte und Unternehmen attraktiv. Im Zuge der Art-déco-Bewegung und der Moderne, die von farbenfroher Geometrie und geschwungener Architektur bestimmt waren, erlangte das Material zunehmend an Berühmtheit. Kein Wunder also, dass es auch in seinem Ursprungsland Italien wieder in aller Munde war. Im Laufe eines Jahrhunderts weiteten sich die für Terrazzo verwendeten Werkstoffe dann auf Quarz, Glas, Metalle, Granit und synthetische Elemente aus.

Obwohl Terrazzo nach wie vor überwiegend für Bodenbeläge verwendet wird, gewinnt er ähnlich des Marmors auch in Kunst und Wohnkultur zunehmend an Bedeutung. Großformatige Tapeten und ganze Küchenfronten treffen dabei auf Poster oder Kissen mit gesprenkelten Terrazzo-Motiven.

Die ideale Mischung für dein Zuhause

Da Terrazzo-Oberflächen durch ihre Farb- und Formvielfalt schnell dominant oder unruhig wirken können, empfehlen wir, mit kleinen Deko- und Wohnaccessoires zu beginnen, bevor du ganze Räume neu verputzt oder Böden ausgießt. Jedes kleine Accessoire besticht dabei durch Individualität, da kein Farbklecks, kein Marmor- oder Granitteilchen dem anderen ähnelt.

Doch ganz gleich, ob du dich am Ende für einen ganzheitlichen Marmor- oder den kleinschrittigeren Terrazzo-Look entscheidest: Mit den im Trend liegenden Materialien verleihst du deinem Zuhause eine ganz persönliche, elegante und vor allem zeitlose Note.



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Text: Maia Frazier

Übersetzung: Ina Schulze

 
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