Für LEEMO wird jeder Aspekt des Lebens in der Kunst reflektiert – subjektiv und stets im Wandel begriffen. Die Künstlerin und Grafikerin wuchs an der Ostsee auf und ergründet ihre deutsch-afghanische Identität in ihren kreativen Arbeiten. LEEMO nahm uns mit in den Botanischen Garten Hamburg und zeigte uns ihr Zuhause. Dort sprachen wir über ihre Kindheit, die Dualitäten im Leben und in der Kunst sowie ihre Pläne für die Zukunft.  

Erzähl uns ein bisschen aus deiner Kindheit.

Meine Eltern stammen aus Afghanistan, ich bin in Deutschland geboren und an der Ostsee aufgewachsen. Ich war ein wildes Kind, viel in der Natur und immer unmittelbar in Strandnähe. Oder ich hab die Wände und Möbel bei uns zuhause angemalt.

Ich war aber auch ein Sonderling, weil ich mit Dingen aufwuchs, die andere so nicht kannten. In dem Land, das meine Eltern verlassen hatten, war plötzlich Krieg und alles, was sie gut kannten, lag in Schutt und Asche. Der Rest unserer Familie musste aus Kabul flüchten, ständig gab es Nachrichten über Todesfälle von Freunden und Bekannten. Mir wurde damals schon klar, wie priviligiert ich bin, in Deutschland zu leben.

Wir haben häufig Flüchtlingskinder aufgenommen, aber auch verwundete Kinder, die nur zur Behandlung in Deutschland waren und wieder zurück mussten. Diese Begegnungen haben mich stark geprägt und ich habe lange nicht begreifen wollen, wie ungerecht das Leben sein kann. Es gab bei uns Zuhause auch andere Regeln und Moralvorstellungen, ein anderes Temperament und einen anderen Glauben.

Was ist dein Lieblingsort in Hamburg?

Ich liebe den Steindamm, schon seit meiner Kindheit. Es ist immer was los, es ist bunt und dreckig und laut und multikulturell. Es ist irgendwie so echt. Außerdem bekomme ich dort alles auf einmal, was mein Herz begehrt: türkische Haselnüsse, afghanische Maulbeeren, persische Datteln, Yufka, den besten Basmatireis, den leckersten Döner, frisches Obst und Gemüse in großer Vielfalt. Ich raste da immer total aus.

 

Mit welchen Medium arbeitest Du am liebsten?

Ich bin verrückt nach dünnen Stiften und Papier in allen Variationen, ich bunker diese Dinge sozusagen, obwohl ich sonst Minimalistin bin. Auf Reisen kaufe ich mir wie eine Bekloppte immer einen Haufen Skizzenbücher und dünne Kullis und Bleistifte. Meistens muss ich dann Klamotten aussortieren, um alles unterzubekommen. Aber als Low-Tech-Cyborg der frühsten Stunde habe ich eine noch innigere Beziehung zu meinem iMac, meinem Eizo und meinem Wacom. Technik ist sehr wertvoll für mich und ich schätze die Möglichkeiten, die sich aus ihr ergeben. Ich glaube, es gäbe weniger Streit und Frustration auf der Welt, wenn Apfel-Z und Apfel-S auch im analogen Leben möglich wären.

Manche deiner Designs sind sehr lebhaft und farbenfroh, andere schwarz-weiß und eher minimalistisch. Wie kommt es zu diesen Unterschieden?

Es gab schon immer diese Zweiteilung in meinem Leben, die Welt draußen und die Welt in unseren vier Wänden. Sie waren so gegensätzlich und dennoch haben sie zusammen meine Realität gebildet. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich werde wohl immer ein Pendler bleiben, auch in der Kunst.

 

Wie würdest Du deine Beziehung zu Mustern beschreiben?

Irgendwie war ich schon früh von Ornamenten und Mustern fasziniert, bei uns zuhause gab es sowohl europäische als auch orientalische Einrichtungsgegenstände. Ich besitze seit meiner Jugend einen Kelim, der schon überall lag, wo ich in der Zwischenzeit gelebt habe.

Die Farben sind so leuchtend und munter und das Muster so einfach aber auch edgy, dass er mich immer aufheitert. Vielleicht versuche ich etwas ähnliches in meiner künstlerischen Arbeit zu erreichen.

 

Wie sieht die Zukunft für dich aus?

Ich habe noch keine festen Termine, aber in naher Zukunft gehe ich Fallschirmspringen, auf die langersehnte Japanreise und werde aktiver in den sozialen Netzwerken (da bin ich bisher sehr antisozial). Wird also ganz gut.

 

Danke, LEEMO!

 
 
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