Die Reisereklame hat es seit ihrer Blütezeit, den Anfängen der Eisenbahn und der transatlantischen Reisen immer geschafft, die Kommunikation zur Kunstform zu machen. Es ist dieser Zeitgeist, und insbesondere die 60er und 70er Jahre, die Bo Lundberg mit seinen Plakaten wiederbelebt: Gekonnt verbindet er die prägende Designsprache dieser Ära mit den symbolträchtigen Orten, an denen sie erschaffen wurde.

Wir besuchten Bo in seiner Heimatstadt Stockholm. Dort erzählt er uns, wie er sich selbst in die 60er zurückversetzt: Als Grafikdesigner, der damit beauftragt wird, Reisewerbung zu gestalten. Es ist die Zeitreise eines Künstlers, der die skandinavische Retro-Ästhetik zu seiner Handschrift gemacht hat.

Das Thema Reisen hat großen Einfluss auf deine Arbeit. Was fasziniert dich an diesen Reisezielen? Welche haben dich am meisten geprägt und warum?

Ich war schon immer rastlos, schon seit frühester Kindheit. Mit etwa sechs Jahren war ich entschlossen, nach London zu ziehen. Und ich hatte auch schon entschieden, dass ich jeden Tag einen weißen Smoking mit einer Fliege tragen würde – aber das versteht sich von selbst.

Unter den Reisezielen in meinen Grafiken gibt es viele, die ich noch nie besucht habe, und das ist das Witzige daran (zumal ich gerade gesagt habe, dass ich rastlos war). Aber von den Orten, die ich tatsächlich gesehen habe, sticht New York am meisten heraus, denn ich fühle mich dort zuhause. New York gibt mir dieses Gefühl von Ruhe und Zufriedenheit, das mir kein anderer Ort zu geben vermag. Italien liebe ich auch. Aber wer tut das nicht?

Wie hat skandinavisches Design dein ästhetisches Empfinden beeinflusst?

Es ist schwierig für mich, darauf zu antworten, da ich ja selbst Teil davon bin. Aber ich finde alles interessant, was eine raffinierte Einfachheit ausstrahlt. Vielleicht sind die kräftigen Farben, die ich benutze, nicht so typisch für skandinavisches Design. Ich versuche immer wieder, mich bei der Farbwahl zurückzuhalten, denn aus einem mir noch schleierhaften Grund kommen mir zartere Schattierungen raffinierter vor.

 

Kreise sind ein wiederkehrendes Motiv in deinen Arbeiten. Woher kommt deine Faszination für Geometrie?

Das war mir selbst noch nicht so klar, aber da hast du wohl recht. Ich schätze, ich komme immer wieder zum Konzept der Vereinfachung zurück. Einfache Formen haben mich schon immer gereizt. Es ist sehr einfach, ausdrucksstarke Grafiken und archetypische Formen zu kreieren, indem man alles auf ein striktes Minimum reduziert. Dabei bringe ich meist auch fließende Formen ein, um das Gesamtbild noch spannender zu machen.


Welche Projekte hast du für nächstes Jahr in Planung? Gibt es etwas Interessantes, das du mit uns teilen möchtest?

Ich lebe so sehr im Jetzt, dass ich noch nicht einmal weiß, was ich mir heute zum Abendessen koche. Aber mit ein bisschen Glück kann ich vielleicht reisen, Ski fahren und andere persönliche Projekte realisieren.

Vor etwa einem Jahr war ich Teil einer sehr interessanten Kollaboration von JUNIQE und Jaguar, für die sieben Künstler aus Deutschland, England und Schweden (also ich) unsere eigene Interpretation der Marke Jaguar kreativ umsetzen konnten. Es war wirklich toll, die anderen Künstler zu treffen und wir sind auch in Kontakt geblieben. Ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr irgendwo wiedersehen!

 
 
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