Nach aufregenden Stationen wie Rio und San Francisco ist die deutsch-brasilianische Künstlerin Bianca Green nach Berlin zurückgekehrt. Auf ihrer bunten Reise zur Inspiration legte sie einen Zwischenstopp ein, um mit uns über den Ursprung ihrer Illustrationen, Textildesigns und Fotocollagen zu sprechen.

Du hast zuvor bei einem lokalen Radiosender in Frankfurt, später dann für MTV in München und Berlin gearbeitet. Was hat dich dazu bewogen, aus dem Musikgeschäft auszusteigen und Künstlerin zu werden?

Mit einer Thematik zu arbeiten, für die man gleichzeitig so viel Leidenschaft empfindet ist ein ständiger Kampf. Und trotz all der tollen Momente und Erlebnisse war der Alltag nicht sehr aufregend, sondern eher anstrengend. Meine Liebe zur Musik hat mich für diesen Job motiviert und es mir dann leicht gemacht, ihn wieder hinter mir zu lassen.

Du hast in einigen der aufregendsten Städte der Welt gelebt. Welche hatte den größten Einfluss auf deine Arbeit und warum?

Sie alle haben mich zu der Künstlerin gemacht, die ich heute bin. Aber wenn man die berühmten, wundervollen Städte wie San Francisco, Rio oder Berlin mal außen vor lässt, hatte das winzig kleine Montevideo in Uruguay wahrscheinlich den größten Einfluss auf mich und meine Arbeit. Dort kamen meine kreativen Visionen zurück. Dort habe ich meine künstlerische Stimme gesucht und auch gefunden und von dort stammt viel Material, das ich für meine Collagen gesammelt habe. In Montevideo habe ich mir ein Leben erschaffen, das es mir erlaubt hat, zu einer Künstlerin aufzublühen.

 

Deine Arbeit ist sehr vielseitig, sowohl inhaltlich als auch technisch. Wo findest du deine Inspiration?

Meine Inspiration ist überall und allgegenwärtig. Sie hängt von meiner Stimmung, meinem aktuellen Gemütszustand und von meiner allgemeinen Offenheit ab. Im Moment sauge ich alles aus meiner Umgebung auf und genieße wieder die wechselnden Schichten Berlins. Die Stadt überrascht mich immer wieder aufs Neue. Inspiration zu finden und dann kreativ zu werden, kommt für mich immer in Wellen. Ich stresse mich da nicht. Es kommt einfach wann es will.

Spiegelt sich deine Persönlichkeit in deinen Werken wider?

Meine Arbeit besteht zu 100% aus meiner Persönlichkeit. Wenn du mich kennst, findest du mich in meiner Arbeit wieder. Wenn du nur meine Arbeit kennst, weißt du schon viel über mich - ich bin genauso bunt und positiv.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Studio aus?

Ich bin nicht der Typ, der im Voraus plant. Ich wache auf und weiß nicht wie mein Tag aussehen wird. Genau das liebe ich! Je nach Stimmung und Inspiration kann ein typischer Tag beinhalten, dass ich ein großes Gemälde anfange, an dem ich dann drei Tage ausschließlich arbeite. Oder ich setze mich hin und schnitze mit meinen Linolschnitt-Werkzeugen, bis mir die Finger weh tun. Manchmal ist es auch einfach ein Tag wie im Büro, an dem ich mich an meinen Laptop setze, E-Mails beantworte und Papierkram erledige. Jeder Tag ist wirklich anders und genau deswegen habe ich dieses Leben gewählt...oder es mich.

 
Du selbst zu sein ist die einzige Möglichkeit, etwas Besonderes zu kreieren.

An welchen Projekten arbeitest du gerade? Steht etwas Besonderes an?

Ich entwickle derzeit viele Konzepte und schreibe viele Ideen auf. In diesem Jahr versuche ich, ihnen dabei zu helfen, meinen Kopf auch wirklich zu verlassen und jenseits meiner Vorstellungskraft zu existieren. Und ich schnitze wieder viel! Blockdruck und Linolschnitt sind meine aktuellen Werkzeuge, die mich total begeistern.

Was wäre dein Rat für angehende Künstler?

Sei einfach authentisch und du selbst. So kitschig das klingen mag, aber du selbst zu sein ist die einzige Möglichkeit, etwas Besonderes zu kreieren. Die Verwendung eines fremden Stils oder die Übernahme von Ideen anderer Leute wird man bemerken und dich nicht weit bringen. Experimentiere und spiele herum, bis du deine eigene innere Stimme gefunden hast, deinen eigenen Stil und die Dinge, die du ausdrücken willst. Alles andere folgt automatisch.

Tacos oder Currywurst?

Definitiv Tacos! Ich esse so vegan wie möglich und Currywurst war nie mein Ding. Aber mexikanisches Essen? Si por favor!

Danke, Bianca!

Text: Lisa Kaufmann

Fotos: Cordula Schaefer

 
 
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